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briesensee2021aKönnt ihr ihn riechen? Das ist der Duft der Startlinie. Hach wie hat man ihn vermisst die letzten Monate. Durch die trüben Tümpel der Umgebung hecheln, sich auf dem Rad im Wind klein machen und dann auf der Laufstrecke in Würde sterben. Aber der Reihe nach.

Der Briesensee hat lange gebangt, aber am Ende wurde es Realität: Es kann ein Triathlon stattfinden. Also am Tag vorher noch mit dem Stäbchen in der Nase gebohrt, mal wieder Requisiten hervorgekramt, die man lange nicht gebraucht hat (bind ich mir das Startnummernband eigentlich schon beim Schwimmen um oder wie war das gleich?) und mit einer gehörigen Portion Adrenalin Richtung Spreewald aufgebrochen. Die Jungs und Mädels haben das Ganze vor Ort sauber und überzeugend aufgezogen: Kein Gedränge beim Parken, keine Schlangen bei der Startnummernausgabe, viel Platz in der Wechselzone und das Wichtigste: Überall war selbst mit Maske deutlich sichtbar der Bock auf Triathlon zu erkennen. briesensee2021Kurze Ellenbogenbegrüßung mit Steffen unserem 2. Vereinsstarter und Ivo bei seinem Premiereneinsatz als Einsatzleiter und dann wurde fix der Wechselplatz eingerichtet. Wie viel Spaß es machen kann ein Paar Laufschuhe auf ein kleines Stück Wiese zu stellen, unglaublich.

Nach einem kurzen Einschwimmen gab es auch im Spreewald zum ersten Mal einen Rolling Start. In Erwartung von aktivem Ertrinken meinerseits habe ich mich fast ganz hinten eingereiht und so dauerte es knapp 10 Minuten nach dem ersten Starter bis ich ins Wasser gesprungen bin. Diversen altbekannten (geradeaus schwimmen ist immer noch schwerer als es klingt) und ein paar neuen Problemen (warum werden denn die Arme schon nach einem läppischen Kilometer so schwer) zum Trotz verlief die erste Disziplin etwa wie erwartet und nach einem recht zügigen Wechsel ging es aufs Rad. Bei meinem letzten Start hier bin ich mit Wattwerten losgezogen, die mich im Laufe des Tages doch mit eher wenig Würde haben sterben lassen. Also diesmal trotz gewisser Euphorie (Es gibt wieder Triathlon!) eher ruhig angehen, gut verpflegen und ansonsten gilt noch immer: aero is everything. Die Strecke ist bekanntermaßen schnell und so hieß es 84km drücken, ziehen, drücken ziehen…. Ich konnte einige Leute einsammeln und fühlte mich auch nach 2h noch gut. Die Bedingungen waren nahezu perfekt und so kam ich mit einem knapp 37er Schnitt in T2 an. Anhand der Anzahl Räder in der Wechselzone war aber unschwer zu erkennen, dass darüber hier einige nur müde lächeln konnten. Die carbonisierten Wettkampftreter umgeschnallt (ehrlicherweise fühlt sich der Vaporfly im märkischen Kiefernsand an wie ein Stöckelschuh aber einfach für den Kopf musste es sein) und ab in den Wald. Im Gegensatz zur letzten Austragung führte die Laufstrecke nicht mehr um den See, sondern durch den nahegelegenen Wald. Die Beine waren gut und ich fand schnell jemanden mit ähnlicher Pace. Die Temperaturen waren gut auszuhalten aber kühlen war auch hier oberste Triathletenpflicht. So bahnte ich mir, jeden Schwamm, jede Cola und alles was sonst irgendwie flüssig aussah, greifend meinen Weg. Die Laufstrecke hatte streckenweise gewisse Ähnlichkeit mit meinem seit längerer Zeit nicht gemähten Garten, aber das ist eine andere Geschichte. Mein Mitstreiter konnte bei km 10 nicht mehr Schritt halten und so dachte ich kurz übermütig, dass hier heut noch richtig was gehen kann. Bis ich merkte, dass kurz nachdem ich die erste von zwei Laufrunden fertig hatte, der erste kam, der schon beide Runden erledigt hatte. Kurze Nachrechnung bestätigte, dass 8 Minuten späterer Schwimmstart wohl nicht ganz ausreichen, um 9 km Laufrückstand aufzuholen. Gut der Siegerplatz war wohl vergeben, aber danach war noch alles offen! Ich konnte mein Tempo gut halten und so lief es auch auf der zweiten Hälfte super. Ich kam nach 4.10h ins Ziel und es fühlte sich an …wie früher. Es gibt wieder Triathlon!

Später musste ich erfahren, dass der Erste tatsächlich eine halbe Stunde schneller war. Offensichtlich wurde ganz vorn nicht nur in der Nase gebohrt, aber mein Hauptziel ist auch noch 4 Monate entfernt, daher kann die Topform ruhig noch etwas auf sich warten lassen.

Vielen Dank an dieser Stelle an die unermüdlichen Orgas und Helfer vom Briesensee! Dank euch gibt es endlich wieder andere Themen als Biontech und Maskenskandal. Auch auf die Gefahr mich zu wiederholen: Es gibt wieder Triathlon!

von Leo